Langfristig bleiben lohnt sich
Guter Rat auch fürs Leben nach dem Job gehört zur Willkommenskultur, etwa ein Hinweis auf die nächste Pfarrei mit vielen philippinischen Gemeindemitgliedern.kathbild.at/Rupprecht
Zwei Monate nach seiner Einreise schrieb ein philippinischer Gesundheits- und Krankenpfleger im Projekt "Triple Win", hier Raymond genannt: "Wir haben mit der Arbeit auf der Station angefangen. Durch die Begleitung von ,Triple Win‘ finden wir uns gut zurecht. Wir haben schon Geld an unsere Familien auf die Philippinen geschickt."
Raymond hatte sich auf eine Ausschreibung der Philippines Overseas Employment Administration hin als Krankenpfleger in Deutschland beworben. Nachdem die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit seine Ausbildungsunterlagen geprüft und mit ihm ein Interview geführt hatte, wurde er als Teilnehmer bei "Triple Win" aufgenommen - einem Projekt der ZAV und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).1
Bis zu diesem von Raymond beschriebenen Augenblick ist bereits viel passiert: Migration aus dem Ausland ist anstrengend für Pflegekräfte und deren Arbeitgeber - aber wenn sie gelingt, ist ein Grundstein für eine gemeinsame Perspektive gelegt. Die GIZ unterstützt beide Seiten, damit dieses Rendezvous Erfolg hat.
Um Raymond auf seinen Umzug nach Deutschland vorzubereiten, bietet das Projekt einen kostenlosen Sprachkurs an, der mit dem Zertifikat B1 abschließt (das heißt, Raymond kann sich auf einfache und zusammenhängende Weise im Alltag auf Deutsch verständigen und ausdrücken). Während eines fünftägigen Pflegefachkurses wurde ihm das Pflegesystem in Deutschland erklärt, wie beispielsweise die Bedeutung von Grundpflege, Hygienestandards, Pflegedokumentation und das global fast einzigartige Berufsbild der Altenpflege hierzulande. Ein Orientierungskurs vermittelte ihm Kenntnisse zum Alltag in Deutschland und zu den Tücken beim Abschluss eines Handyvertrages. Während er seinen Sprachkurs machte, suchte die ZAV für Raymond einen Arbeitsplatz. Einer schriftlichen Bewerbung folgte ein Interview per Skype, und Raymond hatte eine Stelle in einem deutschen Krankenhaus. "Triple Win" hat die Schritte zur Visabeschaffung sowie die Flugbuchung unterstützt. Auch die philippinische Seite klärte vor der Ausreise nochmals über Rechte und Pflichten auf. Der Weg aus der Arbeitslosigkeit ist geschafft.
Damit die Integration gelingen kann, hat sich auch der deutsche Arbeitgeber vorbereitet: Vier Wochen vor Ankunft wurden in einem Workshop des Projektes die Einarbeitung geplant und Zuständigkeiten vergeben, um die neuen Kolleg(inn)en in den Pflegealltag einzubinden: Wohnraum, Einarbeitungsplan und der Anpassungslehrgang für die Anerkennung der philippinischen Ausbildung. Zudem sind die Kol- leg(inn)en auf Station umfassend informiert. Einige kümmern sich gezielt darum, dass der neue Kollege sich in seiner persönlichen Umgebung zurechtfindet und zeigen ihm beispielsweise den Supermarkt oder den Weg zur Kirche.
Willkommenskultur wird ausgebaut
Auch Arnela Memić aus Bosnien kam zum Arbeiten nach Deuschland. Mehr Porträts von Pflegemigrantinnen.