Secondhand-Boutique gegen Wohnungsnot
Die OFF-Vorstände Lehmann (links) und Lepach tragen modisch geschneiderte Regenhüte aus Blisterfolie.Christiane Stieff
Der Hut aus Luftpolsterfolie steht Renate Lepach ausgezeichnet. „Modell Audrey“, kommentiert sie lachend – und tatsächlich erinnert seine Form an Kopfbedeckungen von Audrey Hepburn. Die Folien-Regenhüte sind Unikate der „Boutique Le Sac“ in Freiburg. Sie werden eigens dort genäht und finden reißenden Absatz. Ebenso wie die selbst genähten Kissen oder die Kleider und Röcke aus gespendeten Krawatten. Doch was sich anhört wie ein Designer-Laden, ist in Wirklichkeit eine Secondhand-Boutique mit allem, was das Herz begehrt: Kleidung, Schuhe, Geschirr und Gläser, Lampen, Bilder, Nippes und Kitsch bis hin zu Kleinmöbeln, Toastern oder mancher Waschmaschine … In den Kellerräumen der Sedanstraße 22 ist noch Raum für gespendete Sachen, die, noch gut erhalten, zum Wegwerfen zu schade wären.
Weibliche Armut schämt sich mehr
Zahlreiche Kundinnen stöbern im Sammelsurium. Zwei probieren Schuhe, eine hält ein T-Shirt am Bügel hoch, wieder eine zieht ein Sommerkleid über. Dazwischen einige ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, mit Namensschild erkennbar. Die Kundinnen der Boutique sind nicht alle wohnungslos oder arm, viele sind einfach an Secondhand-Mode interessiert. Für die Kleidung spenden sie einen moderaten Betrag, der Gewinn läppert sich. Zweimal pro Woche öffnet das Geschäft, und OFF-Vorsitzende Renate Lepach (77) und Vorstandsfrau Veronika Lehmann (65) sind fast immer dabei. „20 Frauen arbeiten hier ehrenamtlich mit“, sagt Lehmann. Einige von ihnen sind ehemalige Obdachlose, manch eine arbeitet hier auch den Kleinkredit ab, den sie vom Verein zinslos bekommen hat.